Neu: Veranstaltungskalender

Der Frühling kommt, Leipzig ruft, und wir haben schon allerhand für die kommenden Monate geplant! Damit ihr den Überblick bewahrt, haben wir die neue Kategorie »Veranstaltungen« ins Leben gerufen, unter der ihr euch immer zu den aktuell anstehenden Terminen informieren könnt.

Wir hoffen, vom 23. bis 26. März möglichst viele von euch an unserem Stand auf der Leipziger Buchmesse in Halle 5, F119 begrüßen zu können!

Der homunculus verlag im alten und im neuen Jahr

Nun frisch zu neuen Wunderdingen!
Homunculus in Goethes Faust. Der Tragödie zweiter Teil

Der Weihnachtsbraten ist verdaut, die Zukunft in Blei gegossen und Fitnessstudios haben für knappe zwei Wochen Hochkonjunktur: 2017 hat begonnen! Somit wird es Zeit, auch dem Homunculus ins Reagenzglas zu schauen und sich nach seinem Befinden und seinen Zukunftsplänen zu erkundigen. Wir geben also etwas Nährlösung hinzu, lassen ihn schlucken und sein dünnes Stimmchen erheben.

Der homunculus verlag blickt zurück: Das war 2016

Das erste vollständige Jahr für den homunculus verlag (in Bekannten- und Verwandtenkreisen auch als »der Verlag mit dem schwierig zu schreibenden Namen« bekannt) brachte mehr Erinnerungswürdiges mit sich, als diese wenigen Zeilen aufnehmen können. Als Highlights sind sicher der Gewinn des Kulturpreises der mittelfränkischen Wirtschaft, der hervorragende zweite Platz von Philip Krömers Ymir beim Bloggerpreis für den besten Debütroman sowie ein erfolgreicher (und hin und wieder feucht-fröhlicher) Messeauftritt in Leipzig hervorzuheben. Auch der angeregte und anregende Austausch auf dem »Gipfeltreffen der unabhängigen Verlage« mit dem Verlag Topalian & Milani wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.
In allen Ecken Deutschlands sind wir 2016 auf Lese- und Kulturbegeisterte gestoßen – das macht den besonderen Reiz des Verlegerlebens aus.

Wir ihr vielleicht bemerkt habt, hat sich auch an anderer Stelle einiges getan: der Homepage. Ab sofort könnt ihr alle Bücher aus unserem Programm ohne Versandkosten und ohne Anmeldung mit nur wenigen Klicks in unserem Shop bestellen – das als Alternative, wenn ihr gerade nicht in der Nähe einer der zahlreichen engagierten Buchhandlungen in ganz Deutschland seid, die sich für unabhängige Verlage einsetzen. Diesen Buchhandlungen gilt unser ganz besonderer Dank. Für kompetente Beratung und den einen oder anderen Titel aus dem homunculus verlag empfehlen wir z.B.:

Chocolaterie & Buchhandlung Fräulein Schneefeld & Herr Hund in Berlin
Buchhandlung Rupprecht in Erlangen
Buchhandlung Jastram in Ulm
Kunst- und Textwerk München
Gostenhofer Buchhandlung in Nürnberg
Bültmann & Gerriets in Oldenburg
Buchhandlung am Freiheitsplatz in Hanau

Wir sollten alles daran setzen, diese vielfältige Buchhandelslandschaft auch über die nächsten Jahre und Jahrzehnte zu erhalten.

Der homunculus verlag blickt nach vorn: Das wird 2017

Cover: Knallmasse von Ulrich HolbeinWenden wir uns nun der Zukunft zu. Wie wir für die erste Jahreshälfte 2017 aufgestellt sind, könnt ihr unserer Vorschau entnehmen. Zunächst bedeutet das für uns: Lektorieren, setzen, drucken, warten. Auf der Leipziger Buchmesse wird es dann so weit sein: Wir präsentieren unsere zwei besonderen, brandneuen Titel. Da ist zum einen Ulrich Holbeins Debütroman Knallmasse, der in einer vom Kultautor umfangreich überarbeiteten und illustrierten Ausgabe erscheint, sowie die Anthologie Warum ich lese. 40 Liebeserklärungen an die Literatur, die wir in Kooperation mit zahlreichen deutschsprachigen Buchbloggern veröffentlichen.

Cover: Warum ich lese, BuchbloggeranthologieRund um diese Titel sowie unsere Autoren Philip Krömer und Olaf Trunschke, Tobias Roth und David Julius Walther sind eine Reihe von Lesungen und Veranstaltungen geplant – auf unserer Facebook– und unserer Twitterseite bleibt ihr immer auf dem aktuellen Stand. Als digitales Album für Veranstaltungs- und Produktfotos nutzen wir außerdem Pinterest. Bleibt daher für alle Termine und Berichte auch über die sozialen Kanäle mit uns in Kontakt!

Unser Vorsatz für 2017: Weiterhin gute und interessante Literatur machen!

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern, Buchhändlerinnen und Buchhändlern sowie allen Kolleginnen und Kollegen ein gutes und erfolgreiches neues Jahr,

Euer homunculus / humunculus / humunkulus / homonculus / homoculus / humunkulis / hommuculus / homonkulus / homonkolus / homuncukus / hommuculus / homuncolus / homunclus / hommunculus / homunculous / humuncolus / homukulus verlag

Silvesterstimmung im homunculus verlag

Heinrich Spoerl und das geistige Getränk – Eine Blütenlese

Weihnachtszeit ist Feuerzangenbowlenzeit. Der Kessel knackt, der Rum brennt, der Zucker tropft und zischt. Bald haben alle einen im Tee (oder zwei oder drei oder vier), der Rühmann singt und bringt den Knaben garantiert nur Unfug bei. Was aber tun, wenn die Tassen plötzlich leer sind und der Abspann läuft? – Wir raten dazu, noch einen Topf aufsetzen und mehr Spoerl zu lesen. Die hochprozentigsten Szenen aus seinem Klassiker Wenn wir alle Engel wären, der zusammen mit Die Hochzeitsreise in unserem Spoerl-Wendebuch erschienen ist, haben wir schon einmal herausgesucht. Prost!

Heinrich Spoerl, Blüte #1:
Eine Forschungsreise

Dann ist er wieder woanders, in einer kleinen verrauchten Bude. Die Lampen sind mit rotem Seidenpapier umwickelt und versuchen lasterhaft auszusehen. Am Klavier hämmert ein Jüngling, dem eine müde Zigarette aus dem Mund hängt, und ein verschwommenes Mädchen im Babykleid singt etwas Rührseliges von Kinderland – Herz und Hand. Zwei oder drei Paare tanzen. Aus den Nischen kommt Lachen und Quietschen. Aber sie sind zugezogen, man kann kein bisschen was sehen. Kempenichs Wissensdrang kommt auch hier nicht auf die Kosten. Er langweilt sich.
»Na Kleiner?«Cover: Wenn wir alle Engel wären von Heinrich Spoerl
»Wieso Kleiner?«, schnauzt Kempenich und bestellt sich wütend eine Flasche Sekt. Er ist kein Kleiner!
Nur seine Zunge geht schon etwas schwer.
Schließlich ist er wieder auf der Straße. Es ist Nebel. Man sieht nur ungewisse Lichter. Menschen und Wagen gleiten wie Schatten vorüber. Der Kanzleivorsteher ist voll des süßen Weines und weiß nicht woher und wohin. Er hat eine Litfaßsäule erwischt und mit Handkoffer, Feldstecher, Reisedecke, Mantel, Schirm und Hutschachtel tastet er hoffnungslos um die Säule und kann das Ende nicht finden. Vorübergehende lachen. Aber niemand erbarmt sich seiner.
Endlich erlöst ihn eine mitleidvolle Seele.

Heinrich Spoerl, Blüte #2:
Ein Komplott wird besiegelt

Der überlegene Geist wurde ausführlich begossen, das morgige Ereignis im Vorschuss gefeiert. Die Flaschenparade wuchs bedrohlich. Bei der vierten Flasche tranken sie die übliche alkoholische Brüderschaft mit verhakten Armen und schwimmenden Augen. Bei der fünften lagen sie sich rührselig schweigend in den Armen. Und gegen Mitternacht stolperten sie gegeneinandergelehnt durch mondbeschienene Gassen nach Hause.
Nach Hause ist etwas voreilig gesagt. Ein Laternenpfahl wurde Dritter im Bunde, sie blieben daran hängen und kamen nicht mehr von ihm los. Der Maestro benutzte den Aufenthalt, um gleich mit seinen vorausbezahlten Gesangsstunden zu beginnen. Er singt vor: do-re-mi-fa-sol, süß und weich wie ein Kater. Und Kempenich grölt wie fünf Flaschen Mosel: O du fröhliche – o du selige –
Dann bringen sie sich gegenseitig nach Hause. Erst der eine den anderen, dann der andere wieder den einen, und so fort. Es geht nicht auf: Einer bleibt immer übrig.
Am nächsten Morgen war vorsichtshalber Sonntag.

Heinrich Spoerl, Blüte #3:
Die Zeugen sind geladen

Heinrich Spoerl
Foto: Urh. unbekannt | wissenmedia

An dem gleichen Morgen versammeln sich auf dem Bahnhof in Koblenz ein gutes Dutzend Hotelportiers in allen Preislagen. Sie begrüßen sich gegenseitig mit großem Hallo und zeigen sich ihre Ladungen. Das muss wohl eine ganz schwere Sache sein, mindestens Raubmord oder Sittlichkeit. Und erörtern das zu erwartende Zeugengeld.
Die Moseltalbahn, Märklin Größe 00, hält in Zell. Die Vereinigten Koblenzer Portiers haben beschlossen, ihr voraussichtliches Zeugengeld zu verflüssigen, kaufen sich in der Bahnhofswirtschaft pro Nase eine Flasche Zeller Schwarze Katz und setzen sie an den Kopf. Das Züglein wartet; es ist daran gewöhnt.
Das Moseltalbähnchen hält prustend in Zeltingen. Die Portiers leiden sehr unter der Hitze. Zeltinger Himmelreich ist feucht und kühl. Der Zugführer treibt zur Eile, der Zug hat bereits fünfzehn Minuten Verspätung.
Das Moselbähnchen verschnauft sich in Brauneberg. Die Portiers sind bereits in festliche Stimmung geraten und genehmigen sich eine Brauneberger Juffer. So treiben sie praktische Geografie. Nur der Stationsvorsteher ist untröstlich.
Die Verhandlung neigt sich ihrem Ende zu.
Die Koblenzer Portiers, denen die durchfahrene Weinkarte Kraft und Freude gegeben hat, sind inzwischen glücklich vor dem Sitzungssaal gelandet. In einem dichten Knäuel stehen sie vor der Tür. Nun wird es Zeit, sonst geht das Zeugengeld zum Teufel. Die vereinigten Portiers, lauter stämmige Burschen, drücken den wachhabenden Gerichtsdiener beiseite und strömen mit Gepolter in den Saal.
Ruhe dahinten!
In dem Schutz der allgemeinen Erregung haben sich die Portiers ihren Weg nach vorn gebahnt und in Kolonne formiert vor dem Richtertisch aufgebaut. »Tag zusammen.«
»Sie haben sich wohl verlaufen. Hier ist kein Bahnhof.«
Justizrat Genius aber strahlt und breitet weit die Arme aus. »Das sind ja meine Herren Zeugen.«
Der Richter sieht sie misstrauisch an und schnuppert in der Luft. »Die Herren haben wohl schon etwas getrunken «
Die Portiers grölen ein einstimmiges Nein, dass der Boden zittert.

Alle Auszüge aus: Heinrich Spoerl: Die Hochzeitsreise & Wenn wir alle Engel wären. Zwei Romane im Wendebuch. Erschienen März 2016.Spoerl Cover